Rachid O.

Rachid O. wurde 1970 in Marokko geboren und siedelte nach dem Studium nach Frankreich um.

Neben der Coming-out-Geschichte, beschreibt Rachid O. sehr treffend das ärmliche soziale Milieu, die verschiedenen Formen des Zusammenlebens - wie die des Vaters mit der Respektsperson Lalla, ohne dass sie ein Paar wären - und wie die am Rand erwähnte Gewalt und Ausgrenzung in die Liebesgeschichte einwirkt. Im Gegensatz zu Gudmund Vindlands "Der Irrläufer", der radikal und rasend daherkommt, ist hier der Ton auf Harmonie angelegt, allerdings wirkt der Inhalt umso explosiver. Rachid O. stellt den Islam nicht in Frage, der Protagonist in seinem Buch besucht regelmäßig die Moschee. Der Autor setzt das Signal: Seht her, Schwule sind keine gottlosen Menschen, jede Liebe verdient Respekt.

"Heiße Schokolade" unterstreicht die vergleichsweise liberale Entwicklung in Marokko, als deren vorläufigen Höhepunkt man die Herausgabe des ersten Homo-Magazins namens "Mithly" in vergangenen Jahr sehen kann. Bleibt zu hoffen, dass es zum einen mehrere arabische schwule Autoren Rachid O. gleich tun - auch in Deutschland lebende! - und zum anderen, dass auch die anderen Romane des Autors ins Deutsche übersetzt werden. Der symbolische Wert dieses Romans übertrifft sicherlich noch seinen literarischen - gerade in der immer wieder aufkeimenden Integrationsdebatte!